Wie aus Erfahrungen konkrete Unterstützung für Frauen entsteht

31. März 2026

Love.Work.Money. – aus der Praxis heraus entwickelt – orientiert an den Lebensrealitäten von Frauen.

Im FrauenBerufsZentrum Grieskirchen zeigt sich tagtäglich, welche Themen Frauen beschäftigen, welche Herausforderungen sie mitbringen und wo konkrete Unterstützung gebraucht wird. Aus diesen Erfahrungen heraus entstehen Angebote, die nicht nur informieren, sondern tatsächlich weiterhelfen.

Berufliche Entscheidungen, persönliche Lebensrealitäten und finanzielle Fragen sind eng miteinander verbunden – und genau hier setzt Love.Work.Money. an.

Im folgenden Gespräch mit Angelika Merz – Leiterin des FBZ Grieskirchen und Initiatorin von Love.Work.Money.– geben wir Einblicke, wie sich das Projekt entwickelt hat, welche Bedürfnisse dahinterstehen – und warum es so wichtig ist, genau hinzuhören.


Vom Bedarf zur Idee

Wie ist Love.Work.Money. im FBZ Grieskirchen entstanden? Gab es einen konkreten Auslöser?

Angelika Merz:Love.Work.Money. ist aus vielen Gesprächen und Begegnungen mit Frauen entstanden. Wir erleben seit Jahren, dass Frauen in unterschiedlichen Lebensbereichen enorm viel leisten – im Beruf, in Beziehungen, in der Familie und im Alltag. Gleichzeitig werden die finanziellen Auswirkungen vieler Entscheidungen oft erst sehr später sichtbar.

Bestimmte Themen begegnen uns dabei immer wieder: Teilzeitarbeit aufgrund von Betreuungspflichten, die Herausforderung, unterschiedliche Rollen zu vereinen, oder das Gefühl, die Gesamtverantwortung allein tragen zu müssen. Viele Frauen arrangieren sich mit diesen Situationen, ohne die langfristigen Konsequenzen vollständig zu überblicken.
Daraus ist die zentrale Frage entstanden: Wie können wir früher ansetzen? Wie können wir Zusammenhänge sichtbar machen, bevor Entscheidungen getroffen werden?

Love.Work.Money. setzt genau hier an – mit dem Ziel, Frauen eine fundierte Grundlage zu bieten, um bewusste und selbstbestimmte Entscheidungen für ihr Leben und ihre finanzielle Zukunft zu treffen.“

Welche Erfahrungen aus der Arbeit mit Frauen haben gezeigt, dass genau dieses Zusammenspiel von Beruf, Leben und Geld so wichtig ist?

Angelika Merz: „Die Geschichten der Frauen, die Ergebnisse, mit denen sie zu leben haben, zeigen sehr deutlich, wie eng diese Bereiche miteinander verbunden sind.

Ein Beispiel der Praxis: Eine Frau mit vier erwachsenen Kindern, gemeinsamen Haus mit dem Vater der Kinder. Sie übernahm über viele Jahre die Kinderbetreuung, später auch die Pflege eines Angehörigen. Mit der Zeit bekam sie selbst gesundheitliche Probleme und wechselte von der Familienzeit in Teilzeit und schließlich in eine geringfügige Beschäftigung. In einem fortgeschrittenen Alter zerbrach die Beziehung zum Vater der Kinder. Die Frau steht heute vor einer sehr schwierigen Situation: zu wenig Versicherungszeiten für eine ausreichende Pension, keine finanziellen Rücklagen, eine Ausbildung in einem Beruf, den sie nicht mehr ausüben kann. Solange sie im gemeinsamen Haushalt lebt, besteht zudem kein Anspruch auf Sozialhilfe – gleichzeitig fehlt das Geld für einen Neustart.
Das ist hart und leider keine Ausnahme. Ähnliche Lebensrealitäten begegnen uns im FrauenBerufsZentrum immer wieder, in unterschiedlichen Ausprägungen.

Daher sind bewusste Entscheidungen, die Arbeit, Geld, L(i)ebe(n) betreffen, so wichtig – jeder und jede hat für seine Zukunft selbst zu sorgen, im Sinne guter Selbstfürsorge. Und das ist nur möglich, wenn die Entscheidungen auf einer informierten Grundlage getroffen werden können.

Mit welchen Fragen oder Herausforderungen kommen Frauen zu Ihnen – gerade in Bezug auf Arbeit und finanzielle Themen?

Angelika Merz: „Viele Frauen kommen mit ganz konkreten Anliegen zu uns, etwa mit dem Wunsch einen Job zu finden, der zu ihrem aktuellen Leben passt.
Das kann die Vereinbarkeit mit Kinderbetreuung sein, bevorzugt vormittags und unter der Woche oder auch grundsätzliche die Frage, wie sich Arbeit generell gut in die eigene Alltags-Situation integrieren lässt.

Finanzelle Drucksituationen, Lebensumstellung durch Trennung, Umzug, Neubeginn oder Wiedereinstiege nach längerer Familienzeit – multiple Herausforderungen, die es zu regeln und einzufrieden gilt. Am besten noch vor der Arbeitsaufnahme – oder doch gleichzeitig?
Auffällig dabei ist, dass nach wie vor das Bild besteht, dass der Großteil der Frauen sich alleine für die Kinderbetreuung verantwortlich fühlen oder auch verantwortlich sind, woraus weiterer Druck und Überforderung entstehen kann.
Gleichzeitig sind es oft die Fragen, die zunächst gar nicht ausgesprochen werden, die, die besonders wichtig sind:

  • Wie können wir als berufstätige Eltern das Leben mit den Kindern für alle beteiligten fair und gut gestalten?
  • Wie kann ich finanziell unabhängig sein?
  • Wie können die Rollen und Verantwortungen in meiner Partnerschaft fair geteilt sein?
  • Wie schaffe ich langfristige Sicherheit für mich und meine Zukunft? (die Zukunft der Familie und/oder Kinder sind immer im Blick der Frauen)
  • Und auch: Was möchte ich eigentlich und wie kann ich meine eigenen Wünsche umsetzen?

Diese Fragen stehen selten am Anfang, sondern sie entwickeln sich oft erst im Gespräch.

Und genau hier setzen wir an: Wir schaffen einen Raum, in dem diese Fragen überhaupt entstehen und gestellt werden dürfen – unabhängig davon, ob Frauen mit oder ohne Kinder zu uns kommen.

Denn viele Entscheidungen im Alltag sind absolut nachvollziehbar, ihre langfristigen Auswirkungen bleiben jedoch oft unsichtbar.
Love.Work.Money. unterstützt dabei, diese Zusammenhänge zu verstehen und die eigene Arbeit, das Leben und die finanzielle Zukunft bewusster, vorausschauender und gemeinsamer zu gestalten.

Veränderung beginnt genau dort, wo Fragen entstehen, Klarheit wächst und neue Möglichkeiten sichtbar werden.

Wo merken Sie, dass vielen Frauen die Verknüpfung zwischen ihren Entscheidungen und den langfristigen Auswirkungen (z. B. finanziell) noch nicht klar ist?

Angelika Merz: „Kurz und bündig – an den Ergebnissen, sichtbaren Lebenslagen und bestehenden Bedürfnissen der Frauen. 

Die Anpassung an die jeweilige Lebenssituation kann den Blick in die Zukunft etwas verklären. So wirkt z.B. Teilzeitarbeit im Alltag oft gut machbar und sehr attraktiv, aber welche Auswirkungen das auf Einkommen, Pension oder (finanzielle) Abhängigkeiten bedeutet, ist häufig nicht bewusst. Nicht einzelne Entscheidungen, sondern das Zusammenspiel der gesamten Lebenssituation kann letztendlich reale Probleme aufwerfen, wenn auch erst zu einem späteren Zeitpunkt. Hier ein paar Punkte, die wir auch im Love.Work.Money. Workshop behandeln:
  • Frauen erhalten in Österreich ca. 40 % weniger Pension als Männer, als Folge von Teilzeit, Care-Arbeit und schlechter bezahlten Jobs.
  • Kosten werden in Partnerschaften oft nicht fair geteilt – fair im Sinne von prozentueller Aufteilung anhand der jeweiligen Einkommen
  • Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen im Durchschnitt in Österreich ca. 16,3 % weniger als Männer, wobei Frauen leisten fast doppelt so viel unbezahlte Arbeit wie Männer und die Belastung mit Kindern bzw. mit Pflege von Angehörigen steigt.
  • Frauen sind häufiger in schlechter bezahlten Branchen beschäftigt (Büro, Handel, Dienstleistungen) und Sie arbeiten viel öfter in Teilzeit (auch bei erwachsenen Kindern) – Und haben daher oft kaum finanzielle Rücklagen
  • finanzielle Abhängigkeit kann das Einfallstor und der Nährboden für Gewalt in Beziehungen sein – Fakt ist, wer in finanzieller Abhängigkeit lebt, kann sich nur sehr schwer bis gar nicht aus Gewaltbeziehungen befreien
  • Laut Statistik Austria wurden 1 119 934 Frauen im Alter von 18-74 Jahren zumindest einmal von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen – das sind etwa 34,51 % dieser Altersgruppe.

In den Gesprächen mit den Frauen wird deutlich, Herausforderungen entstehen nicht durch einzelne Entscheidungen, sondern durch fehlende Sichtbarkeit von Zusammenhängen – und die Zahlen sprechen für sich. Genau hier setzt Love.Work.Money. an: Es geht darum, Klarheit zu schaffen, Zusammenhänge zu verstehen und den eigenen Handlungsspielraum bewusst zu nutzen.“

Veränderung erleben

Was unterscheidet Love.Work.Money. von klassischen Informationsangeboten?

Angelika Merz: „Wir arbeiten nicht mit reiner Wissensvermittlung, sondern mit persönlicher Relevanz. Das heißt: keine trockene Theorie, keine Schuldzuweisungen, kein „du musst jetzt alles ändern“
Stattdessen arbeiten wir mit verständlich aufbereiten Fakten, die an die eigene Lebensrealität anknüpfen – kombiniert mit Reflexion über das eigene Leben und konkreten, umsetzbaren Impulsen.

Unser Ziel ist nicht, zu überfordern, sondern einen ersten Perspektivenwechsel zu ermöglichen. Wir wollen nicht belehren, sondern vor allem zum Nachdenken anregen. Es geht nicht darum zu sagen: „So musst du leben.“ Sondern: „Schau, so hängen die Dinge zusammen und was bedeutet das für dich?“ Viele Frauen erleben im Workshop echte Aha-Momente und genau das ist unser Ziel.“

Welche Entwicklungen beobachten Sie bei Teilnehmerinnen, die sich intensiver mit diesen Themen auseinandersetzen?

Angelika Merz: „Oft entsteht zuerst Klarheit. Und aus dieser Klarheit wächst etwas ganz Entscheidendes: Selbstbewusstsein.
Viele Frauen gehen raus und sagen: „Jetzt sehe ich Dinge anders.“ Und genau darin liegt häufig der Anfang von Veränderung.“

Was würden Sie Frauen sagen, die noch unsicher sind, ob Love.Work.Money. das Richtige für sie ist?

Angelika Merz: „Sie müssen nichts verändern, aber Sie dürfen verstehen und gestalten.

Love.Work.Money. ist kein Druck – sondern ein Angebot. Ein Raum, um sich selbst und die eigenen Möglichkeiten klarer zu sehen. In dem man sich mit den eigenen Fragen auseinandersetzen kann, im eigenen Tempo und ausgehend von der eigenen Lebenssituation.“

Zusammenhänge erkennen – Entscheidungen bewusst treffen

Love.Work.Money. zeigt, wie wichtig es ist, Beruf, Leben und Geld gemeinsam zu betrachten – und daraus individuelle Wege zu entwickeln. Denn gute Entscheidungen entstehen nicht zufällig, sondern dort, wo Information, Reflexion und Austausch zusammenkommen.
Mehr über Love.Work.Money und die nächsten Termine erfahren Sie hier.



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